Bau der Woche
German-Architects Magazin


german-architects

 

Das Gemeindehaus Unser Lieben Frauen ist im eMagazin der deutschen Plattform von World-Architects als
» Bau der Woche publiziert. Thomas Völlmar beantwortet im Interview die Fragen von German-Architects zum Projekt.

 

 

 

Versteckt und kraftvoll


Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Mit dem Gemeindezentrum „Unser Lieben Frauen“ konnte ein ganz besonderer neuer Ort mitten in der Stadt geschaffen werden: etwas zurückgesetzt von der Straße, durch einen Vorplatz erschlossen, liegt ein stiller Hof, der an einen Kreuzgang erinnert. Der Lärm der Straße rückt in weite Ferne, wenn man auf dieser quadratischen Fläche steht, die vierseitig von einer Kolonnade aus präzise gestalteten Betonfertigteilen gefasst ist. Die schlanken Stützen haben eine feine Oberfläche aus gesäuertem, sandsteinfarbenem Beton und schaffen eine solide und zugleich leicht wirkende Fassung des Raums. Ein Magnolienbaum akzentuiert den Hof, zu dem sich der hohe Saal, das eingeschossige Gemeindehaus und eine zweigeschossige Kindertagesstätte mit großen Fensteröffnungen hin orientieren.

»weiterlesen

Versteckt und kraftvoll

Völlmar und Pahl Architekten haben in Bremen das neue Gemeindezentrum „Unser Lieben Frauen“ fertiggestellt. Thomas Völlmar erläutert, wie aus dem abgelegenen Bauort ein starker Raum für die Gemeinde wurde.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Mit dem Gemeindezentrum „Unser Lieben Frauen“ konnte ein ganz besonderer neuer Ort mitten in der Stadt geschaffen werden: etwas zurückgesetzt von der Straße, durch einen Vorplatz erschlossen, liegt ein stiller Hof, der an einen Kreuzgang erinnert. Der Lärm der Straße rückt in weite Ferne, wenn man auf dieser quadratischen Fläche steht, die vierseitig von einer Kolonnade aus präzise gestalteten Betonfertigteilen gefasst ist. Die schlanken Stützen haben eine feine Oberfläche aus gesäuertem, sandsteinfarbenem Beton und schaffen eine solide und zugleich leicht wirkende Fassung des Raums. Ein Magnolienbaum akzentuiert den Hof, zu dem sich der hohe Saal, das eingeschossige Gemeindehaus und eine zweigeschossige Kindertagesstätte mit großen Fensteröffnungen hin orientieren.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Wir haben versucht, den Wunsch nach einem neuen, identitätsstiftenden Ort für die Gemeinde sehr wörtlich zu nehmen und dieses Anliegen konzentriert auf das Wesentliche in Innen- und Außenraum zu übersetzen. Dabei war es uns wichtig, mit vertrauten Bildern zu arbeiten und Archetypen – wie das Bild des Kreuzganges oder des holzgetäfelten Saals – zu verwenden. Zusätzlich wurden als „Erinnerungsstücke“ Bauteile (zum Beispiel das Sandsteinrelief am Eingang zum Hof) aus dem alten, einst an anderem Ort stehenden Gemeindehaus im neuen Gebäude weiterverwendet.

Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Glücklicherweise konnte die ursprüngliche Idee aus dem Wettbewerb, der Hof als Herz des Ensembles, bis zur Realisierung unverändert erhalten bleiben – und das, obwohl es sich dabei um einen Gebäudeteil handelt, der nicht im Raumprogramm vorkam und für den entsprechend auch kein Budget vorgesehen war. Dass der Hof trotzdem realisiert wurde, verdanken wir unseren engagierten Bauherren, die immer das Ganze im Blick hatten und vor allem stets im Sinne eines guten, langlebigen Ergebnisses entschieden haben.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Wir versuchen, Häuser zu entwerfen, die zurückhaltend, zeitlos, langlebig und fein detailliert sind. So besteht dieses Gebäude vor allem aus den ganz „normalen“ Materialien Backstein, Beton und Holz, die hier dank guter Zusammenarbeit mit den Handwerkern mit einer speziellen Sorgfalt und Raffinesse verwendet wurden. Die Betonfertigteile wurden durch eine samtige, gesäuerte Oberfläche und eine präzise ausgewählte Farbigkeit verfeinert, die Backsteine zum Teil in einem speziellen Zierverband gemauert, das Holz der Fenster erhielt eine in mehreren Musterproben entwickelte, feine Lasur, die die Maserung durchscheinen läßt. Energetisch entspricht das Gebäude selbstverständlich aktuellen Standards, wobei wir stets anstreben, soweit es geht ohne umständliche, komplizierte Technik auszukommen und schon durch die Konfiguration des Hauses eine Basis zu schaffen, die sowohl im Winter als auch im Sommer für ein angenehmes Klima in den Innenräumen sorgt.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Das Gebäude wird durch wenige, besonders ausgewählte Materialien geprägt. Im äußeren sind das die hellen Backsteine, die Betonfertigteile und die hölzernen Fensterrahmen aus sibirischer Lärche, im Innern sind es Einbauten aus sibirischer Lärche, ein betongrauer Linoleumboden, sowie einzelne Akzente in Himmelblau. Farbe und Vielfalt kommt durch die Nutzer ins Haus, die ruhigen Räume bilden den Hintergrund für ein buntes vielfältiges Gemeindeleben.

german-architects.com